Von den Berlin Roadrunners in die USA: Wie Ausbildung den Unterschied macht

February 5, 2026
Der Berliner Baseballspieler Elon Baer trainiert in den USA für den Sprung in den College-Baseball. Einblick in Ausbildung und Entwicklung.
Während viele Nachwuchsspieler vom College-Baseball träumen, arbeitet Elon Baer (19) aktuell genau daran – tausende Kilometer von Berlin entfernt. In einer Baseball-Akademie in Fort Myers trainiert der Pitcher und Outfielder täglich unter professionellen Bedingungen. Sein Ziel ist klar: sich für eine Collegesaison zu empfehlen und den nächsten sportlichen Schritt zu gehen.
Sein Alltag in den USA ist dabei alles andere als locker. „Der Alltag ist sehr durchgeplant. Von 8:30 bis 15:00 ist Training – und alle haben das gleiche Ziel: aufs College zu kommen“, beschreibt er. Warm-up, spezifisches Pitcher-Programm, Würfe, Einheiten im Gym, danach Fielding, Speed Work oder Med-Ball-Drills – Wiederholung, Präzision und Details stehen im Mittelpunkt. Besonders auffällig für ihn: „Die Basics werden hier vorausgesetzt, man arbeitet am Feinschliff. Das ist ein riesiger Unterschied zum deutschen Baseball.“
Der Grundstein für diesen Weg wurde jedoch deutlich früher gelegt. Zum Baseball kam Elon als Kind eher zufällig – überschüssige Energie, ein Probetraining, Begeisterung. Doch schnell merkte er, dass mehr möglich ist. „Als ich mit acht ins Schülerteam gerutscht bin und mit Zwölfjährigen mithalten konnte, wollte ich das leistungsorientierter angehen.“ Schon früh spielte er mit älteren Jahrgängen, musste sich behaupten und lernen, mit höherem Tempo umzugehen – Erfahrungen, die ihn bis heute prägen.
Ein entscheidender Abschnitt seines Weges war die bewusste Rückkehr zu den Berlin Roadrunners. Nach Stationen innerhalb Berlins und einem Auslandsjahr in Texas suchte er ein Umfeld, das sportliches Niveau und Atmosphäre verbindet. Seine Begründung ist klar: „Weil es der einzige Verein in Berlin ist, der Bundesliga anbietet und gleichzeitig sympathisch ist.“
Für ihn war das kein Zufall, sondern eine Entscheidung für Entwicklung. „Ich habe gelernt, gezielter für den Sport zu trainieren und an den Fähigkeiten zu arbeiten, die noch nicht so gut ausgeprägt sind.“ Entscheidend sei dabei nicht nur das Training selbst gewesen, sondern auch das Umfeld. „Es wurde eine Vertrauensbasis aufgebaut, die den Spielern Sicherheit gibt, Fehler zu machen und sich dadurch zu verbessern.“
Auch einzelne Personen haben seinen Weg geprägt. „Eine besonders wichtige Rolle hat mein Trainer Hector gespielt. Er hat mein Selbstbewusstsein aufgebaut und mich besonders offensiv verbessert.“ Struktur, Vertrauen und individuelle Förderung – genau diese Mischung trägt ihn heute in einem leistungsorientierten Umfeld in den USA.
Auch aus Vereinssicht war dieser Schritt gut vorbereitet. Sportdirektor Adrian Daues betont vor allem die Entwicklung abseits des reinen Spiels: „Neben den Verbesserungen auf dem Platz war es vor allem sein Ehrgeiz und die Bereitschaft, auch außerhalb des Trainings Zeit zu investieren. Dieser Hunger auf Verbesserung und der Siegeswille unterscheiden ihn.“
Ausbildung bedeutet bei den Berlin Roadrunners dabei weit mehr als nur sportliche Ergebnisse. „Wir legen Wert auf körperliche Grundlagen, saubere technische Basics und vor allem mentale Entwicklung. Spielerinnen und Spieler müssen lernen, im Team zu agieren und mit Erfolgen sowie Rückschlägen umzugehen“, erklärt Daues.
Der Schritt in die USA bedeutete für Elon dennoch eine große Umstellung – sportlich wie persönlich. „Weg von Familie und Freunden zu sein, ist natürlich schwer. Aber im Programm selbst geht es darum, den ganzen Tag ins Detail zu gehen.“ Aktuell arbeitet er vor allem daran, schneller zu werfen und seine Secondary Pitches zu verbessern – Faktoren, die im College-Baseball entscheidend sind.
Aus Sicht des Vereins ist dieser Weg daher die logische Folge seiner Entwicklung. „Er hat sich in allen Bereichen unserer Ausbildung sehr stark entwickelt. In seinem Alter gibt es keinen besseren Ort, um Baseball noch intensiver zu leben und sich körperlich weiterzuentwickeln“, sagt Daues. Der Schritt sei die logische Konsequenz für einen Spieler mit seinem Talent und seiner Leidenschaft.
Am Ende hat Elon eine klare Botschaft an junge Spieler, die ähnliche Ziele verfolgen. Talent allein genügt nicht. „Eigeninitiative ergreifen. Zwei Trainings pro Woche reichen nicht. Wenn man ernsthaft hochklassig spielen will, muss man außerhalb der Teamzeiten selbst trainieren.“ Sprinten im Park, zusätzliche Einheiten im Gym, selbstständige Wurfübungen – genau das sei der Unterschied. „In Amerika trainieren die Kinder ab zehn Jahren fünfmal die Woche. Da kommt man mit zwei Einheiten schwer hinterher.“
Sein Weg zeigt: Entwicklung ist kein Zufall. Sie entsteht aus früher Förderung, solider Ausbildung, einem unterstützenden Umfeld – und der Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen. Der Schritt nach Amerika ist damit kein Sprung ins Ungewisse, sondern die logische Fortsetzung eines langfristigen Weges.


